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Fett und rot im Kalender angestrichen: Das war für viele Vogelliebhaber der internationale Zugvogeltag, welcher alljährlich auf das erste Oktoberwochende fällt. Passend dazu betrieb die IG Natur Region Zofingen einen Beobachtungsstand im Mühlethal, um das Naturspektakel live mitzuverfolgen.
Ab in den Süden! Was nicht nur als Refrain für einen kurzweiligen Mallorca-Partyschlager dient, ist dieser Tage auch Credo für rund 50 Milliarden Zugvögel weltweit, welche momentan über unseren Köpfen in neue Gefilde aufbrechen. Darunter sind die «üblichen Verdächtigen» wie Störche, Kraniche und Schwalben. Doch auch das bekannte Rotkehlchen zieht es in den Süden, zusammen mit Greifvögeln wie dem Rotmilan.
Doch warum zieht es die Vögel überhaupt in den Süden? Der Grund dafür sei simpel, so Christoph Vogel-Baumann, Präsident des Naturschutzvereines Zofingen: Es sei alles eine Frage der Nahrung. «Im Winter frieren die Böden und Gewässer zu – Insekten, Würmer und Beeren verschwinden, während im Süden günstigere Bedingungen herrschen.
Da stellt sich die Frage, warum die Vögel nicht gleich im Süden bleiben. «Zum einen wäre auf Dauer die Konkurenz und Futter und Lebensraum zu gross», meint der Biologe. Zum anderen biete ihr ursprünglicher Lebensraum für den Rest des Jahres bessere Bedingungen. Im Frühling brüten Vögel lieber hier, da durch die langen Tage und vielen Insekten das Überleben um einiges einfacher ist.
Während die «Reise in den Süden» für viele Menschen ein Highlight ist, stellt sie für tierische Reisende auch eine grosse Gefahr dar, welche Unmengen an Energie verbraucht. «Manche Vogelarten fressen sich vor der Reise nochmal gehörig Speck an, so dass sie vor Aufbruch fast doppelt so schwer sind wie sonst. Gewicht, dass aber an der Destination wieder verloren ist.
Das der Trip auch schief gehen kann, ist spätestens seit der «Schwalbenkatastrophe» von 1974 bekannt. Im Herbst brach schon früh eine Kältefront über die Alpen. Das Problem: Schwalben fanden schon sehr früh keine Fluginsketen mehr, von welchen sie sich ausschliesslich ernährten. In einer einmaligen Rettunaktion wurden fast eine Million Schwalben per Bahn, Flugzeug oder Auto in den Süden verfrachtet.
Insgesamt zählten Petra Gubler und Christoph Vogel-Baumann 518 Vögel. Am meisten vertreten war der Buchfink mit 252 Sichtungen. «Es ist ein entschleunigendes Hobby», schwärmt Vogel-Baumann. Und das Beste: Nächstes Jahr spielt sich das Naturereignis wieder ab. Gleicher Ort, gleiche Zeit. Lediglich der Beobachtungsstand verschiebt sich in den Sennhof in Vordemwald.
Joel Dreier
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