Ein Tag der Freude
Maienzug Aarau: Zahlreiche Zuschauer/innen wohnten dem Umzug bei
Sitzt, passt, hat Luft: Zoe Häusermann im Kostüm des Standartenträgers.
Bild: Olivier Diethelm
Wenn am Freitag, 3. Juli, der Maienzug durch die Stadt Aarau stattfindet, ist Zoe Häusermann als Standartenträgerin vorne mit dabei. Vor dem grossen Tag erfolgte zunächst mal die traditionelle Kostümprobe.
Aarau Eine besondere Ehre für die elfjährige Zoe Häusermann: Am diesjährigen Maienzug wird die Schülerin der Klasse 5b der Primarschule Telli als Standartenträgerin den Behörden der Stadt Aarau voranmarschieren.
Die traditionelle Anprobe des historischen Kostüms fand vergangene Woche bei sommerlichen Temperaturen im Zuhause der Familie Häusermann in Aarau statt.
Stadtweibel Monika Ramseyer brachte nicht nur die Standarte mit dem Aarauer Adler mit, sondern auch die elegante Aufbewahrungskiste mit der Uniform. Schritt für Schritt wurde das Kostüm anprobiert.
Den Anfang machte der Hut. Wichtig dabei: Die Straussenfedern zeigen nach hinten. Der Hut sass auf Anhieb gut. Danach folgten die gestreiften Baumwollstrümpfe. Weil diese nicht elastisch sind und gerne nach unten rutschen, wurden sie mit Sicherheitsnadeln an den Turnhosen befestigt.
Für Zoe ist das Tragen von Kniesocken nichts Neues. Sie nimmt regelmässig an Orientierungsläufen teil. «Meine Socken sind aber nicht so eng», stellte sie mit einem Schmunzeln fest.
Anschliessend wurden die weisse Bluse mit Rüschenkragen, die Pluderhosen mit ihren zahlreichen Knöpfen sowie das Wams, wie die Jacke genannt wird, angezogen. Monika Ramseyer fragte nach: «Fühlst du dich wohl? Ist es nicht zu eng?» Die Antwort der Schülerin kam prompt: «Ja, ich fühle mich wohl.»
Rund 20 Minuten dauerte es, bis die Uniform komplett sass. Die schwarzen Lederschuhe bringt Zoe selber mit. Sie passen ausgezeichnet zum historischen Outfit. «Ein bisschen einlaufen wäre nicht schlecht», lautete der Rat von Monika Ramseyer.
Über die linke Schulter wurde schliesslich das Bandelier gelegt, in dem die Standarte getragen wird. Zum Schluss folgte nochmals der Hut. Der Blick in den Spiegel sei in dieser Aufmachung «schon etwas ungewohnt», meinte Zoe. Nun war sie für das Foto im Garten bereit.
Jedes Jahr ist ein anderes Schulhaus der Kreisschule Aarau-Buchs für die Wahl des Standartenträgers zuständig. Dieses Jahr fiel die Wahl auf die Primarschule Telli. Lehrer Flavio Schmid fragte zunächst einen Jungen aus der Klasse, ob er die Aufgabe übernehmen wolle. Dieser lehnte ab.
Danach wandte er sich an Zoe. «Dann habe ich einfach mal Ja gesagt», erzählt sie. Mit Kostümen habe sie aber sonst wenig zu tun – ausser vielleicht an der Fasnacht.
Die Freude über die Wahl ist bei der Familie gross. Zoes Grossvater habe gesagt, es sei eine Ehre, dass jemand aus der Familie Häusermann Standartenträger sein dürfe, erzählt Mutter Anja. «Mein Mann und ich sind in Aarau aufgewachsen und mit dem Maienzug gross geworden.»
Die Verbindung zur Tradition ist in der Familie ohnehin stark: Bruder Elia marschiert bei den Kadetten mit und sorgt dort an der Pauke für den richtigen Takt. «Schade, ist Papa nicht mehr im Einwohnerrat, so könnten wir gemeinsam laufen», fügte Zoe noch an.
Hergestellt wurde die Uniform von Kostüm Kaiser in Aesch. Das traditionelle Gewand besteht aus Wolle – und in dieser kann bei hohen Temperaturen durchaus warm werden.
«Es gab schon die Frage, ob man nicht etwas Leichteres, Sommerlicheres tragen könnte», erzählt Monika Ramseyer, die seit zehn Jahren für die Anproben verantwortlich ist. Satin sei beispielsweise vorgeschlagen worden. Doch für Ramseyer ist klar: «Wolle ist edel und fällt schön.»
Vielleicht müsse man die Uniform künftig eine Nummer grösser anfertigen lassen. Für Zoe passe sie jedenfalls ideal. «Sie hat die perfekte Figur dafür», sagt Ramseyer. Und falls jemand einmal etwas zu schmal gebaut sei, gebe es mit Hosenträger eine bewährte Lösung: «Das gab es auch schon.»
Für alle Fälle befindet sich im Koffer sogar noch eine Pelerine. Sollte der Himmel am Maienzugstag seine Schleusen öffnen, wäre Zoe also vorbereitet. Aufgeregt sei sie übrigens nicht. «Ich freue mich sehr auf den Maienzug», sagt die Elfjährige.
Bleibt nur noch ein Wunsch offen: Dass am 3. Juli die Sonne scheint – aber vielleicht nicht ganz so enthusiastisch wie bei der Anprobe. Denn selbst ein Aarauer Adler kommt bei zu viel Hitze ins Schwitzen.
Von Olivier Diethelm
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