Alfred Stiner
Der Gemeindeammann von Unterentfelden im Interview
Am Montag liess die Modellfluggruppe Zofingen im Rahmen des Ferienpasses des Spittelhofs die Jüngsten in die faszinierende Welt des Modellflugs eintauchen – auch mit der Hoffnung, junge Kräfte für das Hobby zu begeistern.
Zofingen Damals, 1965, war so einiges los: Dem sowjetischen Kosmonauten Alexei Leonow gelang der erste Weltraumspaziergang, Rudolf Gnägi sicherte sich seinen Platz im Bundesrat und die Beatles landeten mit ihrem Hit «Help!» zuoberst in den internationalen Charts. Den jungen Heiner Lüscher trieben aber ganz andere Dinge um. Heute ist er neben Ringo Starr und Paul McCartney der Einzige der Erwähnten, der noch Jubiläen feiern kann. Beispielsweise den 60. Geburtstag der Modellfluggruppe Zofingen, welche er und sieben andere «Stifte» und Schüler am 15. Mai 1965 gründeten. Damals noch unter dem Namen «Cockpitclub Falcon», da Heiner Lüscher einem Aufruf des bekannten Luft- und Raumfahrtmagazins «Cockpit» folgte, wonach man seinen eigenen Club gründen solle. Da das Bauen und Fliegen von Modellflugzeugen immer mehr in den Fokus rückte, benannte man den Club zum heutigen Namen um.
«Wenn man klein ist, muss man auch klein anfangen», scherzt Heiner Lüscher heute. «Die Modellfliegerei war der erste Schritt, den ich in die Welt der Aviatik machen konnte.» Und bei diesem Schritt beliess er es beileibe nicht: Drei Jahrzehnte lang war Heiner Lüscher als Linienpilot bei der Swissair tätig – bis zum berüchtigten Grounding im Jahre 2001. «Danach konnte ich in Italien noch vier Jahre fliegen – eine sehr schöne Zeit», erinnert sich der Strengelbacher gerne zurück. Nun schliesst sich der Kreis: Im wohlverdienten Ruhestand hat er wieder mehr Zeit, sich der Modellfliegerei zu widmen.
«Früher sah das Hobby noch ein wenig anders aus», verrät Lüscher. Moderne «Ready-to-Fly»-Modelle aus Schaumstoff waren Fehlanzeige oder schlicht unerschwinglich für die «Stifte» und Schüler. In monatelanger, mühseliger Arbeit schnitten sie Bauteile aus Holz aus und klebten sie anhand von Bauplänen mit Leim zusammen. Der Antrieb: benzinbetrieben, natürlich. Umso tragischer, wenn der Jungfernflug in einer Bruchlandung endete: «Aber genau darum haben wir zu unseren Flugzeugen auch so Sorge getragen. Diese Verbindung zum Gerät geht durch moderne Fertig-Modelle schnell verloren.»
Was dem Verein nur selten verloren geht, sind Mitglieder. Einziges Problem: Wirklichen Zulauf erfährt die Modellfluggruppe, analog vieler anderer Vereine, von der jüngeren Generation nicht. «Als unser Verein gegründet wurde, lag das Durchschnittsalter bei etwa 17 Jahren; nun liegt es bei ungefähr 65 Jahren», gibt Lüscher zu bedenken. Beim Schweizerischen Modellflugverband ist man sich der Problematik jedoch bewusst und hat eine Kampagne lanciert, um mehr Junge für das Hobby zu begeistern – nicht zuletzt zeigt man nun auch Präsenz im Ferienpass.
Die jungen Interessierten bekamen an diesem Tag viel geboten: An drei verschiedenen Posten gab es die geballte Ladung Modellflug. Vom Bau des ersten kleinen Holz-Flugis inklusive eines Testflugs ging es über den virtuellen Simulationsflug am Computer zum «Showroom», wo die Mitglieder des Vereins ihre prächtigsten Modellflieger vorstellten. Die Kinder quittierten den Tag bei der Schlussrunde durchwegs positiv. «Macht Werbung bei den Kollegen und vor allem bei den Kolleginnen», gibt Lüscher ihnen am Schluss mit. Denn auch eines soll klar sein: Das Hobby ist für alle – ganz egal, welches Alter und Geschlecht.
Joel Dreier
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