Marit Neukomm
Der Verein Volunteers for Humanity feiert sein zehnjähriges Bestehen
Auf eine gute Zusammenarbeit freuen sich (v. l.): Christian Gut, Louis Weber, Nicolas Hunkeler, Christoph Braun, Irina Bannwart. Bild: Joel Dreier
Ob kleines, verschlafenes Dorf, aufstrebende Agglo-Gemeinde oder etablierte Grossstadt – ein Problem eint sie alle: Die Schulen sind voll. Oder diplomatischer: Es mangelt an Schulraum. So auch in der Gemeinde Vordemwald, welche nun ihre Lösung am Dienstag, 9. September, im Rahmen einer Infoveranstaltung der Bevölkerung präsentierte.
Vordemwald Wer sich unter dem Projektnamen «Benno Bieber» ein für teuer Geld ausgearbeitetes Maskottchen für Vordemwald vorstellt, welches die Schüler auf dem Pausenhof bei Laune hält, liegt (zum Glück) falsch. Denn nicht weniger als ein Generationenprojekt versteckt sich hinter dem unscheinbaren Namen, liess Frau Gemeindeammann Karin Berglas verlauten. Und: Es werden sogar Einheimische mitmischen.
Es wird ein Schulhausergänzungsbau an der Scheibenstrasse neben dem bestehenden Schulhaus entstehen. Dazu ein neuer Kindergarten an der Langenthalerstrasse sowie eine Doppelturnhalle mit gestalteten Aussenanlagen. Dies in zwei Etappen: Der Schulraum (Schule und Kindergarten) in einer ersten, die Doppelturnhalle in einer zweiten Phase. So das Projekt in Kürze.
Doch zuerst nahm Gemeinderätin Irina Bannwart die Bevölkerung auf eine kleine Zeitreise mit. «Die Planung dieses Grossprojekts begann bereits im Juli 2022», erläuterte sie. Mit erfahrenen Partnern wurde analysiert, wie Vordemwald sich demografisch entwickeln würde und wie man den verschiedenen Bedürfnissen gerecht werden kann. Engpässe beim Schulraum entwickelten sich schnell zur «Prio Nr. 1». Basierend auf diesen Ergebnissen liess der Gemeinderat im Oktober 2023 vier verschiedene Lösungen prüfen. Nach der Festlegung für eine Variante und dem Ja des Souveräns zum entsprechenden Planungskredit wurde ein anonymes Wettbewerbsverfahren durchgeführt. Dabei sind insgesamt 10 Projekteingaben erfolgt.
Realisiert wird nun das Projekt von den Architekten «Haller Gut» aus Bern und den «Hunkeler Architekten» aus Vordemwald. Dazu stossen die erfahrenen Landschaftsarchitekten «Weber+Brönnimann» aus Zofingen, welche die Aussengestaltung übernehmen. Es sei die erste Zusammenarbeit als Trio, erzählt Christian Gut, Architekt vom Büro «Haller Gut», doch Unbekannte seien sie untereinander nicht. «Weber+Brönnimann» arbeitete in der Vergangenheit schon mit beiden Büros zusammen und fädelte die Zusammenarbeit auch ein. «Die Kombination aus unserem Büro und einem, das im Dorf bereits ansässig und mit dem Umbau des bestehenden Schulhauses aktiv ist, reizt mich sehr», berichtete Christian Gut.
Neben dem bestehenden Schulgebäude entsteht ein dreistöckiger Erweiterungsbau. Wer auf die Visualisierungen schaut, sieht vor allem zwei Dinge: Holz und Glas. «Wir legen einen grossen Fokus auf Nachhaltigkeit», erläuterte Christian Gut. Nicht zuletzt habe man auch Holzingenieure im Team dabei. Innen setzt man auf Stahl-Beton, vor allem aus Brandschutzgründen. «In seiner Erscheinung ordnet sich das Gebäude dem Bestehenden unter», erklärt Architekt und «Lokalmatador» Nicolas Hunkeler. Und: Das Gebäude ist bewusst so gebaut, dass man in ferner Zukunft noch einen weiteren Stock «aufschichten» könnte.
Der rote Faden zieht sich dabei weiter zum neuen Kindergarten, der an der Langenthalerstrasse entsteht. Viel Holz und Glas, aber: kein «Schnick-Schnack». Der Aufbau des Gebäudes sei simpel, erklärt Hunkeler. Ein längliches Gebäude mit drei Klassenräumen, die untereinander verbunden sind. Umso besser sei es, dass sich die Räume flexibel nutzen lassen und kurze Wege ermöglicht werden.
Kurze Wege und Synergien: Das seien die Hauptgründe für den Entscheid, die alte Turnhalle zurückzubauen und am gleichen Ort wiederaufzubauen, sagt Nicolas Hunkeler. So soll die Turnhalle auch über ein Foyer mit dem Gemeindesaal verbunden sein. Das Untergeschoss der Turnhalle wird konträr zur Oberfläche kaum berührt. «Aufgrund des schlimmen Hochwassers musste es vor ein paar Jahren saniert werden», erklärte Hunkeler. Deshalb probierte man, möglichst viel von der Bausubstanz zu erhalten.
Landschaftsarchitekt Louis Weber erläuterte die Vision der Aussengestaltung. Wichtigster Punkt: Der Schulraum soll als Campus erlebbar gemacht werden, offen für alle sein und Identität stiften. Vorbei sollen die Zeiten von «nur Schule» sein. Vielmehr soll sich ein Naherholungsgebiet für anliegende Quartiere, ja, für die ganze Gemeinde entwickeln. Dafür entsteht neben dem heutigen Parkplatz vor dem Gemeindesaal ein Festplatz, der tagsüber als Aufenthaltsort für die Schulen dienen soll und am Wochenende als sozialer Treffpunkt genutzt wird.
Parallel werden rund um die Doppelturnhalle noch Grünanlagen entstehen, hauptsächlich Faustballfelder. Dazu kommen ein Beachvolleyballfeld und eine Trial-Anlage, welche dem ansässigen Radfahrerverein eine neue Heimat bietet.
«Das Merkmal, welches ‹Benno Bieber› von den anderen Projekten abhebt, ist die Etappierbarkeit, sprich die Möglichkeit, die Gebäude einzeln bauen zu können», erklärte Gemeinderat Christoph Braun. Denn alles gleichzeitig sei in Vordemwald nicht zu stemmen. In einer ersten Etappe werde man sich strikt auf den Schulraum, sprich die Schulhauserweiterung und den Kindergarten fokussieren, in einer zweiten Etappe auf die Doppelturnhalle. Das Ziel ist es, den Schulbetrieb 2027/2028 aufzunehmen. Denn: «Süsch wird’s äng.»
Joel Dreier
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